22.01.2012
EISENBERG: Mit ihrem Unterrichtskonzept gewinnt die Grundschule einen Preis
„Schule für alle - Schule ein Team - Schule in Bewegung” - so hat die Eisenberger Pestalozzi-Grundschule ihre Bewerbung für den Schulpreis „Unterricht inklusiv” überschrieben - und damit Erfolg gehabt (wir berichteten kurz am Mittwoch). Was es mit dem Konzept auf sich hat, erläutern Schulleiter Markus Fichter und seine Kollegen im Gespräch mit der RHEINPFALZ.
„Beispielgebende und gelungene Konzepte für eine inklusive Unterrichtsgestaltung (...), durch die behinderten und nichtbehinderten Kindern und Jugendlichen eine gleichberechtigte Teilhabe am Unterricht ermöglicht wird”, wurden laut Staatskanzlei in Mainz bei dem Wettbewerb „Unterricht inklusiv” ausgezeichnet. Unter den gewürdigten Schulen in Rheinland-Pfalz ist auch die Eisenberger Grundschule, die seit gut zehn Jahren Schwerpunktschule ist, in der körperlich oder geistig beeinträchtigte Kinder in normalen Regelklassen integriert werden.
Beworben hat sich die Schule an dem Wettbewerb mit ihrem Konzept für die vierte Klassenstufe im vergangenen Schuljahr. Im Mittelpunkt stand dabei der Aspekt Teamarbeit im Kollegium, auf den an der Pestalozzischule großen Wert gelegt wird: „Der alltägliche Unterricht in einer Klassenstufe wird von allen gemeinsam vorbereitet und gestaltet”, erklärt Förderlehrerein Simone Schatto, die die Bewerbung geschrieben hat. Neben Lehrern arbeiten an der Grundschule beispielsweise Sozial- und Heilpädagogen oder Erzieher. Jede Klasse wird von einem zwei- bis dreiköpfigen Team geleitet. Die Klassenteams einer Stufe treffen sich regelmäßig, um gemeinsam den Unterricht vorzubereiten.
Der Vorteil dieser Arbeitsweise liegt darin, für eine sehr heterogene Schülerschaft ein breitgefächertes, förderndes und forderndes Lernangebot erarbeiten zu können. So bestand die vierte Klassenstufe im vergangenen Schuljahr aus 90 Jungen und Mädchen, darunter solche, die als hochbegabt gelten, Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache und solche mit körperlichen oder geistigen Behinderungen. „Das Team gestaltet die Lernumgebung so, dass sowohl hochbegabte Schüler als auch leistungsschwächere, die zum Beispiel nicht so fit in der Sprache sind, Fortschritte machen”, erläutert Martina Ochsner, die stellvertretende Schulleiterin.
Beworben hat sich die Grundschule mit ihrer Unterrichtseinheit „Till Eulenspiegel”. Je nach Fähigkeiten der Schüler, bekommen sie unterschiedliche Aufgaben gestellt. Beispielsweise hätten sprachlich eher schwächere Schüler die Aufgabe, einen gedruckten Text zum Thema auszuschneiden und in die richtige Reihenfolge zu bringen, während stärkere Schüler einen eigenständigen Aufsatz über Till Eulenspiegel schreiben, veranschaulicht Simone Schatto. Die Kinder entscheiden - mit Hilfe der Lehrer - selbst, welche Aufgaben sie sich zutrauen. So soll Schule nicht zum Frusterlebnis werden. Nicht nur geübt wird nach diesem Prinzip, auch Klassenarbeiten werden auf unterschiedlichen Niveaus geschrieben. Dabei ist klar, dass es für die einfacheren Varianten keine Höchstnoten geben kann.
Wer sich in einem Abschnitt der Unterrichtseinheit schwer tut, hat vielleicht in der nächsten schon wieder einen Vorteil - zum Beispiel, wenn die Kinder mit einer Ergotherapeutin Szenen nachspielen, was motorisch begabten Kindern entgegenkommt. „Jedes Kind soll mit ins Boot genommen werden”, sagt Erzieherin und Ergotherapeutin Aline Klusen. Miteinander und voneinander Lernen sei das Prinzip. „Es geht darum, die Vielfalt der Kinder als Chance zu sehen”, ergänzt Kollegin Schatto.
Wie berichtet, wurde der Schulpreis „Unterricht inklusiv” am Dienstag in Mainz vom rheinland-pfälzischen Landesbeauftragten für die Belange behinderter Menschen, Ottmar Miles Paul, und der Staatssekretärin im Bildungsministerium, Vera Reiß, an neun Schwerpunktschulen in Rheinland-Pfalz vergeben. Für jede Schule gab es ein Preisgeld von 2000 Euro. (zin)
aus: Die Rheinpfalz v 20.1.2012